Checkliste – Nachhaltige Veranstaltungen
Überblick
Veranstaltungen im öffentlichen Raum schaffen Begegnung, Sichtbarkeit und Teilhabe. Gleichzeitig nutzen sie Flächen, Ressourcen und Infrastruktur. Ohne vorausschauende Planung können Umwelt, Klima und Nachbarschaft belastet werden. Diese Checkliste bündelt zentrale Handlungsempfehlungen für nachhaltige und freiraumverträgliche Veranstaltungen. Sie unterstützt dich bei Planung, Umsetzung und Auswertung. Sie ersetzt keine behördlichen Auflagen.
Weitere Maßnahmen und vertiefende Hinweise dazu, wie du deine Veranstaltung nachhaltiger gestalten kannst, findest du in den ergänzenden Veranstaltungsguides im Raumsonde Support Center, etwa in den guides
- Abfallmanagement & nachhaltige Beschaffung,
- Gastronomie,
- Veranstaltungen auf öffentlichen Grünflächen (Natur- und Flächenschutz) sowie
- Sicherheit & Versicherung (Umgang mit Wetterrisiken).
Eine Übersicht mit weiterführenden Informationen und Links findest du am Ende der Checkliste.
Organisation & Kommunikation
- Verankere Nachhaltigkeit im Team mit klaren Zuständigkeiten.
- Benenne eine verantwortliche Person für Umwelt- und Sozialaspekte.
- Setze konkrete Ziele (z. B. Mehrwegquote, Abfallreduktion, Energieverbrauch).
- Erfasse Daten zu Energie-, Wasserverbrauch, Abfall und Mobilität.
- Dokumentiere Maßnahmen und werte sie nach der Veranstaltung aus.
- Informiere Behörden und Besuchende frühzeitig über Nachhaltigkeitsmaßnahmen.
- Binde Team und Dienstleistende frühzeitig ein.
- Mache Maßnahmen auf deiner Veranstaltung sichtbar.
Klima- & Ressourcenschutz
Energie & Strom
- Nutze nach Möglichkeit vorhandene Stromanschlüsse und beziehe Ökostrom.
- Prüfe klimafreundlichere Alternativen zu Diesel-Generatoren (z. B. Batteriespeicher, Solar).
- Nutze energieeffiziente Technik und Beleuchtung (z. B. LED).
- Schalte Geräte außerhalb der Betriebszeiten vollständig aus.
- Dokumentiere den Energieverbrauch bei größeren Veranstaltungen.
Wasser & Sanitär
- Plane ausreichend Sanitäranlagen, möglichst mit Anschluss ans Wasser- und Abwassersystem.
- Prüfe umweltfreundlichere Alternativen zu Chemie-Toiletten (z. B. Kompost- oder Trenntoiletten).
- Verwende biologisch abbaubare Reinigungs- und Spülmittel.
- Entsorge Fette und Öle fachgerecht und nicht über die Kanalisation.
Mobilität
- Wähle einen gut erreichbaren Standort mit ÖPNV-Anbindung.
- Informiere aktiv über eine klimafreundliche Anreise ohne Auto.
- Bündele Lieferverkehr und plane Sammeltransporte.
- Motiviere Künstler:innen und Referent:innen zur nachhaltigen Anreise.
- Beauftrage lokale oder regionale Dienstleistende.
Abfallmanagement & nachhaltige Beschaffung
Abfallmanagement
- Plane Abfallmanagement und Abfallmengen frühzeitig.
- Bei größeren Veranstaltungen: Erstelle ein Abfallkonzept.
- Vermeide Abfall, wo es geht. Setze auf Mehrweglösungen.
- Verzichte auf Einwegverpackungen und Portionspackungen.
- Reduziere Werbematerialien und Give-aways.
- Verzichte auf Konfetti, Luftballons und Streuartikel.
- Stelle gut sichtbare, einheitlich gekennzeichnete Trennsysteme auf.
- Leere Behälter regelmäßig und setze bei Bedarf Abfallhelfer:innen ein.
Nachhaltige Beschaffung
- Leihe oder verwende Ausstattung und Dekoration wieder.
- Prüfe vor Neuanschaffungen den Bedarf.
- Achte auf Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit.
- Berücksichtige Umweltlabels (z. B. Blauer Engel).
- Nutze für Printprodukte umweltzertifiziertes Papier (z. B. Blauer Engel).
- Nutze wiederverwendbare Beschilderung und vermeide PVC-Banner.
- Beauftrage lokale oder regionale Dienstleistende, wenn möglich.
- Gib nicht mehr benötigte Materialien weiter (z. B. an Sammelstellen).
Gastronomie
Mehrweg- und Pfandsysteme
- Setze auf Mehrweggeschirr, Mehrwegbecher und Mehrwegbesteck.
- Nutze ein einheitliches Pfand- und Rückgabesystem.
- Nutze Servietten aus Recyclingpapier oder wiederverwendbare Alternativen.
- Biete Getränke nach Möglichkeit in Mehrweg an.
- Biete Leitungswasser an, wenn es vor Ort möglich und hygienisch umsetzbar ist.
Nachhaltiges Gastronomieangebot
- Bevorzuge saisonale und regionale Produkte.
- Nutze ökologisch erzeugte Lebensmittel, wo verfügbar, besonders bei tierischen Produkten.
- Biete vegetarische und vegane Optionen an.
- Achte bei Kaffee, Kakao und Tee auf anerkannte Siegel (z. B. Fairtrade).
- Plane realistische Mengen bei Speisen und Getränken.
- Gib überschüssige Lebensmittel nach Hygieneregeln weiter (z. B. an Tafeln oder Foodsharing-Strukturen, wenn verfügbar).
- Arbeite mit lokalen Cateringunternehmen zusammen, wenn möglich.
Natur-, Flächenschutz & Klimafolgenanpassung
- Meide empfindliche oder geschützte Flächen.
- Sperre sensible Bereiche (Beete, Baum- und Wurzelbereiche, Biotope) ab.
- Nutze Bodenschutzsysteme auf unversiegelten Flächen.
- Befestige keine Kabel oder Technik direkt an Bäumen.
- Verzichte auf Konfetti, Luftballons und Feuerwerk.
- Verwende insektenfreundliche Beleuchtung und vermeide Licht auf Bäume.
- Entferne Abfall regelmäßig und vollständig von Grünflächen.
- Plane Maßnahmen für Sturm, Starkregen und Hitze.
Barrierefreiheit und Inklusion
Im Sinne der sozialen Nachhaltigkeit bedeutet Barrierefreiheit, dass Menschen mit unterschiedlichen körperlichen, sensorischen oder kognitiven Voraussetzungen selbstständig teilnehmen können.
Zugänglichkeit & Teilhabe für alle
- Wähle einen stufenlosen, barrierefrei zugänglichen Veranstaltungsort.
- Stelle barrierefreie Toiletten bereit.
- Kennzeichne Hindernisse kontrastreich.
- Hole bei Bedarf Expertise zur barrierearmen Umsetzung ein.
- Plane Vielfalt im Booking und im Team mit transparenten Kriterien.
- Nutze inklusive Netzwerke, z. B. Pinc Music, wenn passend.
Information und Kommunikation
- Nutze barrierearme Kommunikation (z. B. klare Sprache, gute Lesbarkeit).
- Stelle zentrale Infos in einfacher Sprache bereit.
- Setze nach Möglichkeit Gebärdensprachdolmetschende oder Übersetzungsangebote ein.
- Informiere über Untergrund, Anreise, barrierefreie Zugänge und Angebote vor Ort.
- Arbeite mit inklusiven und sozialen Netzwerken zusammen.
Awareness und Antidiskriminierung
Awareness bedeutet achtsamer Umgang mit Diskriminierung und Grenzüberschreitungen.
- Entwickle ein Awareness-Konzept mit klaren Zuständigkeiten.
- Stelle geschulte Ansprechpersonen und ein Awareness-Team bereit.
- Kommuniziere Verhaltensregeln (Code of Conduct) sichtbar und verständlich.
- Lege Meldewege und Vorgehen bei Vorfällen fest und übe sie im Team.
- Verwende geschlechtsneutrale und respektvolle Sprache in Öffentlichkeitsarbeit und Beschilderung.
- Richte Schutz- und Ruheräume ein, wenn die Fläche es zulässt.
- Schule Team und Dienstleistende zu Diversität und Umgang mit Diskriminierung.
Nachbarschaft & Konfliktvermeidung
- Plane Lärmschutz und ein respektvolles Miteinander.
- Informiere frühzeitig über mögliche Beeinträchtigungen.
- Binde Nachbarschaft nach Möglichkeit in die Planung ein.
- Schaffe Formate für Begegnung, Beteiligung und Austausch.
Weiterführende Informationen
Klimaneutrale und nachhaltige Eventplanung
- HandlungsGuide klimaneutrale Veranstaltungen in Berlin (inkl. Checklisten), GRÜNE LIGA Berlin
- Guide für die nachhaltige Organisation von Veranstaltungen (BMUV/UBA)
- Guidebook Labor Tempelhof
- Netzwerk Green Events
Nachhaltigere Musikveranstaltungen und Clubs
- Greener Fête de la Musique – Handreichung
- Greener Fête de la Musique – Linksammlung
- Greener Fête de la Musique – kompakte Checkliste
- Green Club Guide (Clubtopia)
Abfallarme Veranstaltungen und Geschirrauswahl
- Guide abfallarme Großveranstaltungen (BSR/SMVKU)
- Entscheidungstool für eine ökologisch sinnvolle Geschirrauswahl für Veranstaltungen
CO₂-Bilanzierung
Veranstaltungen auf Grün- und Freiflächen
Barrierefreiheit und Inklusion
Awareness und Antidiskriminierung
- Awareness im Kulturbereich – Wegweiser für achtsame Veranstaltungen (Diversity Arts Culture)
- Tipps zur antidiskriminierenden Öffentlichkeitsarbeit (Green Events Netzwerk)
- Awareness-Guide für Veranstaltungen in der Stadt Leipzig
- How to be aware?! Impulse für eine achtsame Veranstaltungsplanung

