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Maßnahmen gegen Lärm


Überblick

In diesem Guide geht es darum, wie du bei Open-Air-Veranstaltungen Lärmimmissionen praktisch reduzieren kannst – von der Standort- und Zeitplanung über die Ausrichtung der Beschallung bis hin zu Maßnahmen im laufenden Betrieb und begleitenden Messungen.

Symbolbild Art & Lärm

Was für Besucher:innen einer Veranstaltung Kunst ist, kann für Anwohner:innen in der Nachbarschaft belastender Lärm sein. (Quelle: dega-akustik – Belcher)

Ziel ist, dass du frühzeitig die wichtigsten Hebel erkennst, um sensible Immissionsorte zu entlasten, Auflagen besser einzuhalten und gleichzeitig ein gutes Veranstaltungserlebnis zu ermöglichen.

Dieser Guide führt dich Schritt für Schritt durch:

Hinweis: Dieser Guide ergänzt die guides Immissionsschutz – Schall & Licht sowie Ermittelung des erlaubten Lautstärkepegels für Open-Airs. Dort findest du die rechtliche Einordnung, Richtwerte und die Berechnung des zulässigen Lautstärkepegels.


Schallausbreitung im Freien

Abnahme des Schallpegels

Für wirksame Lärmschutzmaßnahmen ist ein Grundverständnis der Schallausbreitung im Freien wichtig. Es hilft dir einzuschätzen, warum Schall am Immissionsort stärker ankommen kann als erwartet. Mit zunehmender Entfernung von der Schallquelle sinkt der Schallpegel. Als Faustregel im Freifeld gilt: Bei Verdopplung der Entfernung sinkt der Schallpegel näherungsweise um 6 dB.

Das heißt unter Freifeld-Annahme (keine Barrieren, Reflexionen, etc.):

100 dB bei 1 m → ~94 dB bei 2 m → ~88 dB bei 4 m → ...

Relevante Faktoren

Diese oben beschriebene Faustregel ist eine Orientierung. Wie stark Schall am Immissionsort ankommt, hängt in der Praxis außerdem ab von:

  • Schallquelle (z. B. Schallleistung, Richtwirkung, Lautsprechertyp)
  • Atmosphäre (z. B. Wind, Temperatur, Feuchtigkeit)
  • Umgebung (z. B. Boden, Hindernisse, reflektierende Flächen)

Im Freien sind Reflexionen meist weniger relevant als in Innenräumen. Wichtig bleiben jedoch immer noch Bodenreflexionen und einzelne reflektierende Oberflächen.

Auch das Wetter beeinflusst die Hörbarkeit:

  • Mit dem Wind wird Schall weiter getragen, gegen den Wind eher gedämpft.
  • Bei Temperaturinversionen (häufig abends und nachts) kann Schall in größere Entfernungen zurückgelenkt werden.

Für Maßnahmen gegen Lärm heißt das: Nicht nur die Lautstärke an der Bühne ist entscheidend, sondern auch Abstand, Ausrichtung der Beschallung, Uhrzeit und Wetter.


Maßnahmen während der Planung

Erkundung der Umgebung

Die Erkundung der Umgebung (Location-Scouting) ist eine zentrale Grundlage für die Immissionsschutzplanung. Die maximal zulässigen Betriebspegel hängen unmittelbar davon ab, wo sich der maßgebliche Immissionsort befindet und wie stark dieser belastet wird.

Bereits in der Vorplanung solltest du prüfen:

  • Wo sich potenzielle maßgebliche Immissionsorte befinden (z. B. Wohngebäude, schutzbedürftige Nutzungen),
  • Welche Nutzungen in der Umgebung vorliegen,
  • Wie Bühne und Lautsprecher im Verhältnis zu diesen Orten ausgerichtet werden können.

Eine Begehung vor Ort ist dafür häufig sinnvoll. Ergänzend helfen Kartendienste wie Raumsonde sowie das Geoportal Berlin (z. B. über die Schlagwortsuche „FNP (Flächennutzungsplan Berlin)“ und „Stadtstruktur“).

Nähe zu geschützten Gebieten

Auf der Raumkarte von Raumsonde kannst du mit Hilfe der Infolayer prüfen, ob deine Veranstaltungsfläche in unmittelbarer Nähe von Wohnbebauung liegt. So kannst du besser abschätzen, ob Anwohnende von Schall- oder Lichtimmissionen betroffen sein könnten – und ob eine Genehmigung erforderlich ist.

Eine Recherche im Geoportal Berlin ist wichtig, weil dort Planungsinformationen und Hinweise auf die Gebietsnutzung abrufbar sind. Diese Einordnung hilft dabei, relevante Richtwerte abzuleiten. Mehr dazu findest du im Guide zur Berechnung des erlaubten Lautstärkepegels.

Für die räumliche Planung gilt grundsätzlich:

  • Richte Bühne und Hauptabstrahlrichtung möglichst weg von maßgeblichen Immissionsorten aus.
  • Nutze natürliche oder bauliche Gegebenheiten (z. B. Gelände, Gebäude, Bäume), wenn sie die Schallausbreitung in sensible Richtungen verringern können.
  • Prüfe frühzeitig, ob der Veranstaltungsort grundsätzlich günstig liegt. Veranstaltungsorte, bei denen sensible Immissionsorte überwiegend in einer Richtung liegen, sind oft günstiger als Orte, die von Wohnbebauung umgeben sind.
Konzertmuscheln

(Mobile) Konzertmuscheln – optimalerweise mit schalldämpfenden Wänden – können eine einfache Schallbarriere für Lärm durch Live-Musik darstellen. (Quelle: Alexander Puell)

Schallbarrieren richtig einordnen: Wände, Gebäude oder Baumstrukturen dämpfen vor allem höhere Frequenzen. Tiefe Frequenzen (Bass) beugen sich stärker um Hindernisse. Die Wirkung von Schallschirmen ist im Bassbereich daher begrenzt. Als grobe Faustregel gilt: Ein wirksamer Schallschirm muss in der Größenordnung von mindestens etwa der doppelten Wellenlänge der zu dämpfenden Frequenz liegen. Für 100Hz100\,\text{Hz} (Wellenlänge ca. 3,4m3{,}4\,\text{m}) wären das etwa 6,8m6{,}8\,\text{m}.

Zeitliche Planung

Die zeitliche Planung hat einen direkten Einfluss auf die zulässigen Betriebspegel. Der maximal zulässige Betriebspegel hängt insbesondere vom Zeitfenster und von der Dauer der Veranstaltung ab. Eine günstige Wahl der Veranstaltungszeit kann die immissionsschutzrechtlichen Spielräume deutlich verbessern. Für die Programmplanung bedeutet das:

  • Lautere Programmpunkte früher einplanen: Plane basslastige oder besonders laute Programmpunkte (z. B. DJ-Sets) möglichst tagsüber oder am frühen Abend.
  • Nach 22 Uhr vorsichtiger planen: In vielen Gebieten gelten abends und nachts strengere Anforderungen bzw. niedrigere Richtwerte.. Lege daher ruhigere Formate (z. B. Lesungen, akustische Sets, Gesprächsformate) in die späten Stunden.
  • Dauer mitdenken (Dosisprinzip): Nicht nur Spitzenpegel, sondern auch die Dauer der Schallabgabe beeinflusst die Bewertung.

Zusätzlich zur Uhrzeit spielt die klangliche Gestaltung eine Rolle: Basslastige Programme sind im Immissionsschutz häufig anspruchsvoller als Programme mit geringerer Tieftonbelastung. Wenn das Format es erlaubt, kann eine angepasste Programmreihenfolge oder reduzierte Basswiedergabe helfen, Nebenbedingungen besser einzuhalten.

Hinweis: Mehr Informationen zur Programmplanung aus der Sicht des Immissionsschutzes findest im Guide zur Ermittelung des erlaubten Lautstärkepegels. Insbesondere das Dosisprinzip ist für die zeitliche Planung wichtig.

Kommunikation mit Nachbarn

Eine gute Nachbarschaftskommunikation unterstützt den Immissionsschutz. Ob Geräusche als störend wahrgenommen werden, hängt nicht nur vom Pegel ab, sondern auch von Situation und Umgang miteinander. Frühzeitige, transparente und respektvolle Kommunikation kann die Akzeptanz erhöhen und Beschwerden reduzieren.

Empfohlene Maßnahmen:

  • Frühzeitig informieren: Informiere die Nachbarschaft über Termin, Dauer, Programm, erwartete Lautstärke und Anlass der Veranstaltung (z. B. per Flyer, Aushang oder digital).
  • Kontaktperson benennen: Stelle eine erreichbare verantwortliche Person für Rückfragen oder Beschwerden bereit (Telefon oder E-Mail) – vor und während der Veranstaltung.
  • Anlass erklären: Erkläre den Zweck, den kulturellen Wert und ggf. die besondere oder seltene Durchführung der Veranstaltung.
  • Gespräch suchen: Ein kurzes persönliches Gespräch kann die Akzeptanz spürbar verbessern.
  • Kompromissbereitschaft zeigen: Prüfe bei Rückmeldungen frühzeitig Anpassungen (z. B. Programm, Pegel, Abläufe).
  • Messung bei Bedarf anbieten: Bei Konflikten kann eine Schallpegelmessung am relevanten Immissionsort helfen.
  • Optional einladen: Je nach Format kann eine Einladung an direkte Nachbarinnen und Nachbarn die Beziehung verbessern.

Hinweis: Nicht jede Situation lässt sich einvernehmlich lösen. Dokumentiere deshalb Maßnahmen und Kommunikation nachvollziehbar. Das kann hilfreich sein, wenn Beschwerden beim zuständigen Umweltamt eingehen. Eine Übersicht zur Dokumentation von Messungen findest du weiter unten im Abschnitt Messung der Lärmbelastung

Planung der Beschallungsanlage

Wenn potenzielle Immissionsorte bekannt sind, kann die Beschallungsanlage gezielt so geplant werden, dass diese Orte möglichst wenig belastet werden. Ziel ist es, auf der Publikumsfläche eine gute Beschallung zu erreichen und gleichzeitig unerwünschte Abstrahlung in sensible Richtungen zu reduzieren.

Wichtige Planungsaspekte:

  • Ausrichtung der Anlage: Hauptabstrahlrichtung auf die Publikumsfläche und weg von relevanten Immissionsorten.
  • Systemwahl: Für die Reduktion unerwünschter Bassabstrahlung können gerichtete Subwoofer-Setups (z. B. Cardioid- oder Endfire-Anordnungen) sinnvoll sein.
  • Inbetriebnahme vor Ort: Der gewünschte Effekt gerichteter Subwoofer-Arrays entsteht nur, wenn Planung, Verschaltung, Aufstellung und Einmessung vor Ort korrekt umgesetzt werden.

Für Live-Veranstaltungen liegen die Zielpegel auf der Publikumsfläche je nach Format häufig im Bereich von etwa 85 bis 100 dB(A) als äquivalenter Dauerschallpegel. Welche Pegel im Einzelfall realisierbar sind, hängt von Ort, Zeitfenster, Richtwerten und Anlagenkonzept ab.

Hinweis: Mehr Informationen zu Grundlagen der Planung und typische Möglichkeiten, die Abstrahlung in unerwünschte Richtungen zu reduzieren findest du im Guide Beschallungsanlagen (PAs)

Erstellung von Lärmprognosen

Das Erstellen oder in Auftrag geben einer Lärmprognose (bzw. Schallimmissionsprognose) ist besonders hilfreich, wenn:

  • ein neuer Veranstaltungsort erstmals genutzt wird,
  • größere Open-Air-Veranstaltungen geplant werden,
  • verschiedene Bühnen- und Lautsprecherpositionen verglichen werden sollen,
  • eine wiederkehrende Veranstaltung an einem ähnlichen Ort stattfindet,
  • das Bezirksamt oder Ordnungsamt eine Prognose (z. B. nach TA Lärm) verlangt.
Symolbild Lärmimmissionen

Eine computergestützte Lärm- bzw. Immissionsprognose ist für kleinere Veranstaltungen oft mit unverhältnismäßigem Aufwand verbunden. Für größere oder wiederkehrende Veranstaltungen kann sie die Planung jedoch deutlich erleichtern., wie hier am Beispiel einer DIN9613-2 Schallimmissionsprognose des Fusion-Festivals gezeigt. (Quelle: bht-berlin.de)

Eine Lärmprognose ersetzt nicht automatisch behördliche Vorgaben oder Auflagen. Sie ist ein Planungswerkzeug und kann – je nach Verfahren – Teil der Antragsunterlagen oder fachlichen Begründung sein.

Lärmprognosen können aber trotzdem die oben genannten Planungschritte erheblich vereinfachen:

  • Kritische Bereiche werden bereits in der Planungsphase sichtbar.
  • Bühne und Lautsprecher lassen sich gezielter positionieren.
  • Maßnahmen zur Pegelbegrenzung können vorab entwickelt werden.
  • Ein einmal erstelltes und validiertes Modell kann für ähnliche Veranstaltungen häufig mit vergleichsweise geringem Aufwand angepasst und wiederverwendet werden.

Mehr Informationen dazu, wie du mit einfachen Mitteln eine Schallimmissionsprognose für deine Beschallungsanlage erstellst, findest du im Guide zu Beschallungsanlagen (PA) und Lärmprognosen

Hinweis: Wenn deine Veranstaltung in einer Versammlungsstätte nach § 23 der in Berlin geltenden Betriebs-Verordnung (BetrVO) ist und über eine eigene PA verfügt, kann es sein, dass eine Schallimmissionsprognose von einer anderen Veranstaltung bereits vorliegt, auf welche du dich im Genehmigungsprozess beziehen kannst.


Maßnahmen während der Veranstaltung

Anpassung während des Mixings

Viele wirksame Maßnahmen passieren im laufenden Mix. Ziel ist dabei: gleiche wahrgenommene Energie im Publikum, aber weniger unnötige Abstrahlrichtung in sensible Richtungen.

  • Phasenabgleich & System-Alignment: Wenn Lautsprecher/Subwoofer nicht passend abgestimmt sind, kann es lokal zu Auslöschungen oder Überhöhungen kommen. Das führt häufig dazu, dass der Pegel unnötig hoch gefahren wird oder Bassanteile unkontrolliert „wandern“. Ein sauberes Alignment stabilisiert den Klang und kann Pegelspitzen reduzieren.
  • Tiefton gezielt kontrollieren: Tieffrequenter Schall wird von Abschirmungen schlechter reduziert und kann sich über größere Distanzen auswirken. Praktisch heißt das: Unerwünschte tieffrequente Anteile bei Quellen ohne Bassfunktion reduzieren
  • Equalizer (EQ) gezielt einsetzen: Problemfrequenzen lassen sich absenken (z. B. „dröhnende“ Bereiche), ohne das gesamte Signal pauschal leiser zu machen. Achte dabei auf eine sinnvolle klangliche Balance – zu starke Eingriffe verändern das Klangbild deutlich.

Hinweis: Mehr Informationen zu System-Alignment, sowie Beschallungsanlagen mit gerichteter Bassabstrahlung findest du im Guide zu Beschallungsanlagen (PA) und Lärmprognosen

Begleitende Lärmmessungen

Begleitende Lärmmessungen sind während der Veranstaltung vor allem deshalb sinnvoll, weil sie euch ermöglichen, frühzeitig auf kritische Entwicklungen zu reagieren. Wenn Pegel steigen oder sich die Immissionen durch Musikdynamik, Wind oder andere Einflüsse ungünstig verändern, kann rechtzeitig nachgesteuert werden. Gleichzeitig schaffen Messungen eine belastbare Grundlage für Nachweis und Dokumentation, etwa um behördliche Auflagen nachvollziehbar zu erfüllen.

Hinweis: Mehr Informationen zu Lärmmessungen findest du weiter unten im Abschnitt Messung der Lärmbelastung

Wetter beachten

Wetter und Ausbreitungsbedingungen können die Immissionssituation kurzfristig verändern. Besonders relevant sind:

  • Windrichtung und -geschwindigkeit: Bei Mitwind in Richtung eines sensiblen Immissionsorts kann sich die Schallausbreitung verstärken.
  • Inversionslagen (häufig abends/nachts): Auch bei Windstille können vor allem im Sommer klare, ruhige Nächte eine schallausbreitungsgünstige Situation erzeugen, wenn die Luft nahe am Boden schon kalt ist, aber die Temperatur mit der Höhe ansteigt.

Mobile Schallschutzwände

Mobile Schallschutzwände können eine sinnvolle Ergänzung sein, wenn du einzelne Lärmquellen (z. B. Aggregate, Anlieferung/Backstage-Bereiche oder punktuelle technische Quellen) abschirmen musst oder wenn du Schallreflexionen (z. B. an Fassaden) reduzieren willst. Achte darauf, dass sie nicht Schall nicht nur reflektieren, sondern auch effektiv abschirmen

Schallschutzwände wirken vor allem dort gut, wo sie den Direktschall unterbrechen. Die Abschirmung ist dabei frequenzabhängig: Hohe Frequenzen lassen sich deutlich besser „abschneiden“ als tiefe Frequenzen. Achte auf eine möglichst geschlossene Fläche (Fugen, Durchgänge, Kabelöffnungen minimieren).

Strassen und Plaetze in Raumsonde

Schallschutzwände wirken dann am besten, wenn sie nahe an der Quelle stehen. (Quelle: Julian Stehling)

Einpegeln mit Limiter

Ein Limiter kann helfen, die Beschallungsanlage technisch auf einen maximal zulässigen Pegel zu begrenzen und so Auflagen verlässlich einzuhalten. In Berlin kann die technische Leistungsbegrenzung von Beschallungsanlagen ausdrücklich über Einpegelung mit Limiter inkl. temporäre Versiegelung erfolgen, zum Beispiel durch Mitarbeitende einer nach § 29b BImSchG bekannt gegebenen Messstelle.

Wann ein Limiter besonders sinnvoll ist:

  • kleinere bis mittlere Veranstaltungen mit relativ stabiler Dynamik (keine starken Pegelsprünge)
  • Setups, bei denen ein klarer Referenzmessort (z. B. am Mischpult bzw. FOH) praktikabel ist
  • Situationen, in denen du eine kosteneffiziente technische Absicherung brauchst

Grenzen für den Einsatz von Limitern:

  • Wetter- und Ausbreitungseffekte: Durch Wind und nächtliche Inversionslagen kann sich die Schallausbreitung deutlich verändern, sodass Immissionen steigen, obwohl der Referenzpegel stabil bleibt.
  • Komplexe Setups (z. B. mehrere Bühnen): Hier ist begleitende Messung/Monitoring oft flexibler.

Hinweis: Mehr Informationen zur Inbetriebnahme und Einpegelung von Beschallungsanlagen findest du im Guide zu Guide zu Beschallungsanlagen (PA) und Lärmprognosen


Messung der Lärmbelastung

Relevante Messwerte

Wenn du prüfen möchtest, ob erlaubte Lautstärkepegel korrekt eingehalten werden, sind vor allem vier Messwerte relevant:

  • A-bewerteter äquivalenter Dauerschallpegel (LAeqL_{Aeq}): Standardkennwert für Schallmessungen. Er beschreibt den über einen definierten Zeitraum gemittelten A-bewerteten Schalldruckpegel und ist für die Beurteilung meist aussagekräftiger als einzelne Spitzenpegel.

  • C-bewerteter äquivalenter Dauerschallpegel (LCeqL_{Ceq}): Wird wie LAeqL_{Aeq} gebildet, gewichtet tiefe Frequenzen aber stärker. Dieser Wert ist besonders wichtig bei basslastigen Veranstaltungen.

  • A-bewerteter Taktmaximalmittelungspegel (LAFTeqL_{AFTeq}): Dient zur Einschätzung impulsartiger Geräuschanteile. Grundlage sind Taktmaximalpegel (z. B. je 5 Sekunden), also jeweils der lauteste Wert pro Takt. Häufige Pegelspitzen erhöhen diesen Wert deutlich stärker als den reinen Mittelungspegel.

  • A-bewerteter Maximalpegel (LAFmaxL_{AFmax}): Dieser Wert gibt den höchsten gemessenen A-bewerteten Pegel im gesamten Messzeitraum an (mit schneller Zeitbewertung „Fast“). Er ist wichtig, um einzelne kurzzeitige Überschreitungen oder besonders laute Ereignisse zu erkennen, auch wenn der Mittelungspegel insgesamt noch unauffällig erscheint.

Die unterstehende Grafik zeigt, dass häufige Pegelspitzen den Taktmaximal-Mittelungspegel (LAFTeqL_{AFTeq}) stärker erhöhen als den reinen Mittelungspegel (LAeqL_{Aeq}) und deshalb für die Beurteilung impulshaltiger Geräusche relevant sind. Der Maximalpegel LAFmaxL_{AFmax} bildet dabei die höchsten Einzelspitzen im Messzeitraum ab.

Visualisierung unterschiedlicher Messgrößen

Visualisierung unterschiedlicher Messgrößen:
  • Hellblau: Mittelungspegel im 5-s-Takt (LAFeq,5sL_{AFeq,5s})
  • Dunkelblau: Mittelungspegel über die gesamte Messzeit (LAeqL_{Aeq})
  • Grün: Maximalpegel im 5-s-Takt (LAmaxL_{Amax})
  • Hellrot: Taktmaximalpegel (LAFTL_{AFT}), also der jeweilige Maximalpegel innerhalb eines 5-s-Intervalls
  • Dunkelrot: Taktmaximal-Mittelungspegel über die gesamte Messzeit (LAFeqL_{AFeq})

Schallmessgeräte

Für belastbare Schallmessungen solltest du ein Schallpegelmessgerät nach DIN EN 61672-1 verwenden, wobei ein Klasse 2 Gerät in vielen Praxisfällen ausreichend. Für Einpegelungen und begleitende Messungen im Veranstaltungsbetrieb ist wichtig, dass das Gerät nicht nur Momentanpegel anzeigt, sondern Messwerte auch mitteln, speichern und dokumentieren kann. Einfache Geräte oder Apps zur groben Orientierung reichen dafür meist nicht aus.

Zusätzlich wichtig für die Praxis:

  • Kalibrierung vor und nach der Messung
  • Witterungsschutz (z. B. Windschutz, regensichere Aufstellung)
  • Dokumentationsfähigkeit (Zeitverlauf, Messorte, Einstellungen)

Hinweis: Messgeräte für die Einpegelung und Kontrolle sollten mindestens die im Abschnitt Relevante Messwerte aufgelisteten Messwerte aufzeichnen können

Messvorgehen & Dokumentation

Begleitende Messungen sind besonders sinnvoll bei größeren oder akustisch komplexen Veranstaltungen, zum Beispiel bei:

  • Größeren Entfernungen zum Immissionsort
  • Mehreren Bühnen, welche teilweise gleichzeitig spielen
  • Wechselnden Wetterbedingungen (insb. Inversionswetterlagen)
  • Programmen mit hoher Dynamik (z. B. Live-Konzerten)

Du kannst im laufenden Betrieb flexibel nachsteuern, statt nur mit starren Limitergrenzen zu arbeiten. So lassen sich kritische Entwicklungen früh erkennen und gezielte Maßnahmen umsetzen (z. B. Pegelabsenkung an einer Bühne oder Anpassung einzelner Frequenzbereiche). Der Nachteil ist jedoch, dass der organisatorische Aufwand höher ist, weil zusätzlich Messtechnik, Messpersonal und eine saubere Kommunikation mit der Veranstaltungsleitung nötig sind.

Foto eines Messaufbaus

Wenn möglich, versuche Messungen sowohl am Ersatzmessort auf der Veranstaltungsfläche (meist am Mixer bzw. FOH), als auch am (maßgeblichen) Immissionsort durchzuführen und gründlich zu dokumentieren.

Was wird gemessen?

Für die Beurteilung der Lärmbelastung ist praktisch zunächst der A-bewerteter äquivalenter Dauerschallpegel (LAeqL_{Aeq}) relevant, welcher gemittelt über die Dauer der Veranstaltung hinweg nicht den Beurteilungspegel überschreiten sollte. Aber es sollte nicht nur ein einzelner Pegel betrachtet werden. Relevant ist, welche Geräusche am maßgeblichen Immissionsort ankommen, wie lange sie auftreten und wie sie über die relevanten Zeiträume gemittelt werden.

In Messungen und Prognosen werden typischerweise berücksichtigt:

  • Pegel am (maßgeblichen) Immissionsort (z. B. an schutzbedürftigen Nutzungen im Umfeld)
  • Pegel an einem Ersatzmessort auf der Veranstaltungsfläche (häufig FOH / Referenzmessort)
  • Teilzeiten des Veranstaltungsbetriebs (z. B. Soundcheck, Programmpunkte, Umbauphasen)
  • Alle zurechenbaren Geräuschanteile des Veranstaltungsbetriebs (z. B. Beschallung, Publikum, Proben, Auf- und Abbau)

Hinweis: Die genaue Berechnung des Beurteilungspegel und erlaubte Überschreitungen in Spitzen werden tiefergehend im Guide zu Ermittelung des erlaubten Lautstärkepegels für Open-Airs beschrieben

Messorte

In der Praxis hat sich häufig eine Kombination aus Referenzmessung auf der Veranstaltungsfläche und Kontrollmessung am Immissionsort bewährt:

  • FOH / Referenzmessort: Dient zur laufenden Steuerung des Betriebs auf der Veranstaltungsfläche, zumeist an der Position des Mischpults hinter der Publikumsfläche
  • Maßgeblicher Immissionsort: Dient zur Überprüfung, ob die genehmigten Anforderungen im Umfeld tatsächlich eingehalten werden.

Wenn nicht dauerhaft direkt am Immissionsort gemessen wird, kann ein Ersatzmessort genutzt werden. Dafür muss der Zusammenhang zwischen Ersatzmessort und Immissionsort vorab nachvollziehbar bestimmt werden.

Dokumentation

Eine nachvollziehbare Dokumentation hilft dir, Auflagen umzusetzen und Messungen im Nachhinein einzuordnen. Halte mindestens fest:

  • Messgerät und Geräteklasse
  • Kalibrierung
  • Messorte
  • Messzeiten und Teilzeiten
  • Wetterbedingungen
  • relevante Betriebszustände (z. B. Soundcheck, Hauptact)
  • gemessene Kennwerte und ggf. ergriffene Maßnahmen

Hinweis: Gerade bei größeren Veranstaltungen kann eine Kombination aus FOH-Referenzmessung und begleitender Kontrolle am Immissionsort eine praxistaugliche Lösung sein, um flexibel zu steuern und gleichzeitig die Einhaltung der Vorgaben nachvollziehbar zu prüfen.