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Abfallmanagement & nachhaltige Beschaffung


Überblick

Bei Veranstaltungen können in kurzer Zeit große Mengen Abfall entstehen. Dazu gehören zum Beispiel Einwegverpackungen und Einweggeschirr, Kronkorken, Zigarettenstummel, Konfetti oder Dekorationsmaterial. Besonders im öffentlichen Raum sind die vorhandenen Abfallbehälter oft nicht ausreichend oder schnell überfüllt.

Symbolbild für Abfall auf Veranstaltungen

Zurückbleibender Abfall ist nicht nur ein Sauberkeitsproblem. Er belastet Tiere und Pflanzen. Abfälle wie Zigarettenstummel können Böden und Grundwasser verunreinigen. Grün- und Pflanzflächen sind oft nur mühsam per Hand zu reinigen.

Vermüllte Flächen können außerdem zu Konflikten mit Anwohnenden oder dem zuständigen Bezirksamt führen. Typische Probleme sind überfüllte Abfallbehälter und Abfall neben den Tonnen. Hinzu kommen Abfälle auf Grünflächen und zusätzlicher Reinigungsaufwand nach der Veranstaltung.

Ein wirksames Abfallmanagement hilft dir, diese Probleme zu vermeiden. Es beginnt nicht erst auf der Veranstaltungsfläche, sondern bereits in der Vorbereitung mit der Erstellung eines Abfallkonzepts. Viele Abfälle entstehen durch Entscheidungen zu Materialien, Verpackungen und Ausstattung. Eine bewusste nachhaltige Beschaffung reduziert Abfallmengen und vereinfacht Abläufe.


Schritte des Abfallmanagements

Was bedeutet Abfallmanagement?

Abfallmanagement beschreibt den Umgang mit Abfällen während einer Veranstaltung. Es umfasst Maßnahmen zur Vermeidung unnötiger Abfälle während Aufbau, Durchführung und Abbau, zur Trennung von Abfällen sowie zur Organisation von Sammlung, Leerung und Entsorgung.

Entscheidungen zu Materialien, Mehrweg oder Wiederverwendung werden bereits vor der Veranstaltung getroffen – sie gehören zur nachhaltigen Beschaffung.

Abfallmanagement orientiert sich an den Grundsätzen der Kreislaufwirtschaft (Circular Economy). Ziel ist es, Abfälle zu vermeiden, Materialien möglichst lange zu nutzen und Wertstoffe in geeignete Stoffkreisläufe zurückzuführen. Maßgeblich ist dabei die Abfallhierarchie des Kreislaufwirtschaftsgesetzes (§ 6 KrWG):

Vermeidung → Wiederverwendung → Recycling → Verwertung → Beseitigung

Ein wirksames Abfallmanagement besteht aus mehreren Schritten, die ineinandergreifen.

  1. Frühzeitige Planung des Abfallmanagements
  2. Vermeidung von Abfall im Veranstaltungsbetrieb
  3. Korrekte Trennung und Entsorgung von Abfällen
  4. Abfallmanagement als System organisieren
  5. Sensibilisierung von Beteiligten

Frühzeitige Planung

Abfall entsteht bei Veranstaltungen an unterschiedlichen Stellen, zum Beispiel an Verkaufs- und Verpflegungsständen, im Bühnen- und Backstagebereich sowie an Ein- und Ausgängen.

Für die Planung solltest du frühzeitig klären:

  • Wo Abfall entsteht
  • Welche Abfallarten anfalle,
  • Wie viel Abfall voraussichtlich entsteht

Dabei helfen folgende Fragen:

  • Wie viele Teilnehmende werden erwartet?
  • Wie lange dauert die Veranstaltung?
  • Gibt es Gastronomie oder Ausschank?
  • Welche Materialien und Verpackungen werden genutzt?

Auf dieser Grundlage kannst du:

  • Anzahl und Standorte der Abfallbehälter festlegen
  • Abläufe für Leerung und Abtransport planen
  • Zuständigkeiten definieren

Hinweis: Die oben aufgeführten Punkte bilden die Grundlage für das Abfallkonzept, das weiter unten erklärt wird.

Vermeidung von Abfall

Abfallvermeidung ist der wirksamste Schritt. Abfälle, die nicht entstehen, müssen weder gesammelt noch entsorgt werden. Viele Maßnahmen zur Abfallvermeidung legst du bereits in der Vorbereitung fest. Typische Ansatzpunkte sind Verpflegung, Verpackungen, Ausstattung und eingesetzte Materialien.

Geeignete Maßnahmen sind zum Beispiel:

  • Verzicht auf Konfetti, Luftballons und andere Streuartikel
  • Reduzierung von Flyern und gedruckten Werbematerialien
  • Gezielte Ausgabe von Servietten, Besteck oder Einwegbecher/-geschirr
  • Vermeidung zusätzlicher Verpackungen an Ausgabestellen
  • Einsatz von Mehrweg statt Einweg (siehe Guide Gastronomie)

In der Praxis entstehen unnötige Abfälle häufig dort, wo Materialien automatisch ausgegeben werden. Prüfe deshalb, an welchen Stellen Servietten, Besteck oder andere Materialien gezielt und nur bei Bedarf ausgegeben werden können.

Trennung von Abfällen

Auch bei guter Planung entstehen Abfälle. Damit Recycling möglich ist, müssen Abfälle möglichst sortenrein gesammelt und korrekt entsorgt werden.

Symbolbild Abfalltrennung auf Veranstaltungen

Abfallstationen können helfen, Mülltrennung durchzusetzen. Sie sollten einheitlich durch gleichbleibende Farben oder Symbole gekennzeichnet sein, sodass das System leicht verständlich bleibt.

Für Veranstaltungen im öffentlichen Raum gilt:

  • Trennsysteme sollten klar beschriftet und leicht verständlich sein.
  • Abfallbehälter müssen gut sichtbar und gut erreichbar stehen.
  • Abfallbehälter müssen regelmäßig geleert und gereinigt werden.
  • Einheitliche Trennsysteme erleichtern die Nutzung und reduzieren Fehlwürfe.

Übliche Abfallarten sind:

  • Restmüll
  • Papier, Pappe und Karton
  • Leichtverpackungen (Wertstoffe)
  • Lebensmittelabfälle (Biomüll, falls relevant)
  • Altglas

Fette und Öle, die bei der Zubereitung von Speisen anfallen, müssen getrennt gesammelt und fachgerecht entsorgt werden. Sie dürfen nicht über Abflüsse oder die Kanalisation entsorgt werden. Kläre vorab, wie die Sammlung und Entsorgung organisiert ist, zum Beispiel über geeignete Sammelbehälter und einen spezialisierten Entsorgungsbetrieb.

Hinweis: Im Backstage- und Arbeitsbereich gelten zusätzliche Anforderungen, insbesondere aus der Gewerbeabfallverordnung. Weitere Hinweise dazu findest du im Guide Gastronomie (Essen & Getränke).

Abfallmanagement als System organisieren

Ein wirksames Abfallmanagement funktioniert nur mit klaren Zuständigkeiten und abgestimmten Abläufen. Plane das Abfallmanagement deshalb als zusammenhängendes System.

Lege vor der Veranstaltung fest:

  • Wer für das Abfallmanagement verantwortlich ist
  • Wer Abfallbehälter kontrolliert und leert
  • Wie Abtransport und Entsorgung organisiert sind

Zum Abfallmanagement gehören:

  • Abfallkonzept als Planungsgrundlage
  • Klar benannte Zuständigkeiten (z. B. ein Abfall- oder Green Team)
  • Absprachen mit dem Entsorgungsunternehmen
  • Getrennte Regelungen für Publikums- und Arbeitsbereiche

Das Abfallkonzept

Ein Abfallkonzept beschreibt, wie der Umgang mit Abfällen bei einer Veranstaltung organisiert ist. Es dient als Planungsgrundlage und wird in Genehmigungs- oder Abstimmungsverfahren häufig als Nachweis genutzt. Umfang und Detailtiefe können je nach Art, Größe und Ort der Veranstaltung unterschiedlich sein.

Symolbild Abfallstationen auf Veranstaltungen

Auf der Raumkarte von Raumsonde kannst du mit Hilfe der Infolayer sehen, wo sich bei deiner geplanten Veranstaltungsfläche die nächsten öffentlichen Mülleimer befinden. Dies ist vor allem für kleinere Open-Air Veranstaltungen wichtig.

Ein übersichtliches Abfallkonzept erleichtert die Abstimmung mit allen Beteiligten und kann Rückfragen im Genehmigungsverfahren reduzieren.

Inhalte eines Abfallkonzepts

In der Regel enthält ein Abfallkonzept folgende Angaben:

  • Angaben zur Veranstaltung (Ort, Zeitraum, Dauer, erwartete Zahl der Teilnehmenden)
  • Bereiche, in denen Abfälle entstehen können
  • voraussichtlich anfallende Abfallarten und eine grobe Mengenabschätzung
  • Maßnahmen zur Vermeidung unnötiger Abfälle während Aufbau, Durchführung und Abbau
  • Anzahl, Art und Standorte der Abfallbehälter
  • Regelungen zur getrennten Sammlung der Abfälle
  • Zuständigkeiten sowie Abläufe für Kontrolle, Leerung, Abtransport und Reinigung
  • getrennte Betrachtung von Publikums- und Arbeitsbereichen
  • Information und Einweisung der beteiligten Personen
  • Abstimmung mit dem zuständigen Entsorgungsunternehmen
  • Regelungen zur Reinigung und Kontrolle der Fläche nach Veranstaltungsende

Wie ausführlich das Abfallkonzept sein muss, hängt von der Veranstaltung ab. Für kleinere Veranstaltungen reichen oft kurze Angaben. Welche Inhalte erforderlich sind, klärst du am besten frühzeitig mit der zuständigen Stelle.

Vorlagen und Orientierungshilfen

Zur Erstellung eines Abfallkonzepts kannst du den Guide Abfallarme Großveranstaltungen (Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz und BSR) verwenden.

Darin enthalten sind zudem:

Der Guide enthält außerdem viele konkrete Hinweise zur Erstellung eines Abfallkonzepts. Er richtet sich vor allem an Großveranstaltungen, kann aber auch für kleinere Veranstaltungen hilfreich sein.

Hinweis: Eine Liste der zuständigen Ansprechpartner:innen in den Ordnungsämtern der Bezirke findest du auf der Kontaktliste für alle Bezirke


Umsetzung und Betreuung vor Ort

Ein Abfallkonzept wirkt nur, wenn du es vor Ort umsetzt. Abfallmanagement bedeutet deshalb nicht nur Planung und Organisation, sondern auch eine durchdachte Nutzung und Gestaltung der Veranstaltungsfläche.

Abfallstationen

Abfallstationen sollten dort stehen, wo Abfall entsteht Sie müssen gut sichtbar, einheitlich gekennzeichnet und erreichbar sein. Bei Veranstaltungen in der Dunkelheit ist eine ausreichende Beleuchtung erforderlich. Wenn Abfallstationen schlecht sichtbar sind oder Tonnen überfüllt sind, wird Abfall häufig einfach daneben abgelegt. Deshalb ist eine regelmäßige Kontrolle und rechtzeitige Leerung der Abfallbehälter wichtig.

Symolbild Abfallstationen auf Veranstaltungen

Abfallstationen sollten dort stehen, wo Abfall entsteht und in großen Mengen anfällt. Häufig sind Ein- und Ausgänge von Veranstaltungen betroffen von starker Vermüllung. Plane an solchen Punkten deswegen ausreichend Abfallstationen ein.

Betreuung und Leerung

Damit Abfallstationen ihre Funktion behalten, ist eine regelmäßige Betreuung notwendig. Kläre vorab:

  • Wer Abfallbehälter kontrolliert
  • wann und wie häufig sie geleert werden
  • Wie der Abtransport organisiert ist

Diese Aufgaben können Teil eines Abfallmanagement- oder Green Teams sein.

Abfallmanagement-Team

Ein Abfallmanagement-Team („Green Team“) unterstützt die Umsetzung des Abfallkonzepts während der Veranstaltung. Es sorgt dafür, dass Abfallstationen betreut werden und ist vor Ort ansprechbar.

Typische Aufgaben sind:

  • Kontrolle und Leerung von Abfallbehältern
  • Unterstützung bei der richtigen Abfalltrennung
  • Rückmeldung bei Problemen oder Engpässen

Wähle für das Team Personen aus, die präsent sind und gut mit Besuchenden kommunizieren können. Eine gut sichtbare Kennzeichnung, zum Beispiel durch Westen oder Shirts, hilft den Teilnehmenden, das Team schnell zu erkennen und anzusprechen. Wie groß das Team sein sollte, hängt davon ab, wie viele Teilnehmende erwartet werden, wie groß die Fläche ist und welche Art von Veranstaltung stattfindet.

Sensibilisierung

Es reicht nicht aus, nur Abfallbehälter bereitzustellen oder einzelne Maßnahmen umzusetzen. Wichtig ist auch, dass alle Beteiligten das Abfallkonzept kennen und anwenden. Dazu gehören Mitarbeitende, Besuchende und Dienstleistende wie Security, Foodstände und Sanitärservice-Personal.

Symolbild Abfallstationen auf Veranstaltungen

Vor der Veranstaltung solltest du folgendes klären und beachten:

  • Informationen zur Abfallvermeidung und Trennung
  • Zuständigkeiten und Ansprechpersonen
  • Hinweise zu Abfallstationen und Rücknahmesystemen
  • Aufnahme von Informationen und Einhaltung des Abfallkonzepts in Verträge
  • Klare Ansprache in Briefings

Auf dem Veranstaltungsgelände sollten insbesondere folgende Aspekte einheitlich sein:

  • Klar beschriftete Abfallstationen
  • Einheitliche Symbole und Farben
  • Kurze, verständliche Hinweise

Nachhaltige Beschaffung

Nachhaltige Beschaffung ist ein zentraler Hebel zur Abfallvermeidung. Viele Abfälle entstehen bereits in der Vorbereitung einer Veranstaltung. Deine Entscheidungen zu Materialien, Verpackungen sowie zu Mehrweg-, Leih- und Rücknahmesystemen bestimmen, wie viel Abfall später anfällt und wie aufwändig der Betrieb wird.

Das betrifft zum Beispiel:

  • Geschirr und Becher
  • Mobiliar und Technik
  • Beschilderung und Leitsysteme
  • Dekoration
  • Verbrauchsmaterialien

Wo möglich, solltest du auf Mehrweg, Miete/Leihe und Wiederverwendung setzen. Wenn Materialien neu angeschafft werden müssen, ist es sinnvoll, auf langlebige Produkte und anerkannte Nachhaltigkeitslabels zu achten. Sie geben Orientierung zu Umweltstandards, Materialqualität und Herstellung und unterstützen eine ressourcenschonende Nutzung.

Grundsätze nachhaltiger Beschaffung

Bei der Beschaffung für Veranstaltungen im öffentlichen Raum solltest du dir folgende Fragen stellen:

  • Ist das Material oder das Produkt notwendig?
  • Kann es wiederverwendet oder ausgeliehen werden?
  • Entsteht vermeidbarer Abfall?
  • Ist das Material langlebig und robust?
  • Können Produkte repariert werden?
  • Bei Neukauf: Gibt es nachhaltigere Alternativen, z. B. Produkte mit anerkannten Umweltlabels?

Diese Grundsätze orientieren sich an der Kreislaufwirtschaft. Ziel ist es, Ressourcen möglichst lange zu nutzen und Abfälle zu vermeiden oder in geeignete Stoffkreisläufe zurückzuführen.

Materialien und Ausstattung

Auch außerhalb der Gastronomie entstehen durch Beschaffung Abfälle. Du kannst das Abfallaufkommen deutlich reduzieren, wenn du auf folgende Lösungen setzt:

  • Leihsysteme für Mobiliar und Technik
  • Modulare, wiederverwendbare Ausstattung
  • Langlebige Beschilderung
  • Dekoration, die mehrfach genutzt werden kann

Kurzlebige Materialien und einmalige Sonderanfertigungen erhöhen den Aufwand bei Abbau und Entsorgung. Sie sollten, wenn möglich, vermieden werden.

Gastronomie und Ausschank

Besonders wichtig ist nachhaltige Beschaffung im Bereich Verpflegung. Folgende Themen werden unter anderem im Guide Gastronomie behandelt:

  • Anforderungen an gastronomische Angebote
  • Mehrweg- und Pfandsysteme
  • Verpackungen
  • Lebensmittelabfälle
  • Gewerbliche Abfalltrennung
Pfandinseln auf Veranstaltungen

Vermeidbarer Abfall sind zum Beispiel Einweg-Getränkebehälter. Wenn du bei deiner Veranstaltung Pfandflaschen ausgiebst und gleichzeitig an Pfandinseln wieder einsammelst, kannst du nicht nur Geld sparen, sondern auch den anfallenden Verpackungsmüll effektiv reduzieren. Mehr Informationen zu Pfandinseln findest auf der Seite der Sozialheld*innen.


Nachbereitung und Kontrolle

Abfallmanagement endet nicht mit dem Ende der Veranstaltung. Plane auch Abbau, Reinigung und Nachbereitung frühzeitig ein.

Wichtige Schritte sind:

  • Vollständige Leerung aller Abfallbehälter
  • Kontrolle der Fläche auf zurückgebliebenen Abfall
  • Fachgerechte Entsorgung über die beauftragten Unternehmen

Wenn du ähnliche Veranstaltungen regelmäßig durchführst, lohnt es sich, Erfahrungen für alle erreichbar festzuhalten:

  • Welche Maßnahmen haben gut funktioniert?
  • Wo gab es Engpässe?
  • Was kannst du beim nächsten Mal verbessern?

Hinweis: Notiere dir nach der Veranstaltung kurz, wo Abfall angefallen ist und wo zusätzliche Tonnen sinnvoll gewesen wären. Diese Rückmeldungen helfen dir, zukünftige Veranstaltungen besser zu planen und Abläufe weiter zu vereinfachen.


Weiterführende Hinweise und Materialien

Zur Vertiefung einzelner Themen stehen guides, Checklisten und Vorlagen zur Verfügung. Sie können je nach Veranstaltungsgröße und Bezirk unterschiedlich relevant sein.

Rechtliche Grundlagen